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Live von der RAF

Wie die GSG die Landshut befreite

Packende Einblicke in ein Schlüsselereignis der deutschen Geschichte aus erster Hand

Den Gestank kann Aribert Martin sein Leben lang nicht vergessen. Schon als sich Teams der Anti-Terror-Einheit GSG9 in Mogadischu an die entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ aus 2 km Entfernung anschlichen, war dieser wahrnehmbar. Im Flugzeug saßen Passagiere, die seit Tagen in der Hand von palästinensischen Entführern waren, unter unwürdigen Umständen in der Maschine ausharren und in dieser Zeit dort auch ihre Notdurft verrichten mussten. Die Aufgabe von Martins Einheit war es, alle Geiseln wohlbehalten zu befreien.

Vor einem Publikum von über 100 Schülern teilte der Referent seine Erfahrungen während des „Deutschen Herbstes“ 1977 in einem Dialog mit Rosaviola Frohneberg von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Letztere informierte auch über die geschichtlichen Hintergründe, von der Gründung der RAF bis zum Versuch, deren inhaftierte Führungsfiguren freizupressen. Die mitreißende Veranstaltung, organisiert von Tobias Raab, bot den Zuhörern die Möglichkeit, aus erster Hand Einblicke in ein Schlüsselereignis der deutschen Geschichte zu erhalten. Und dies in einer Zeit, in der die Thematik angesichts der Verhaftung der RAF-Terroristin Daniela Klette und den Geiselnahmen von israelischen Bürgern durch die Hamas aktueller denn je zu sein scheint.

Noch während die GSG9-Beamten im Oktober 1977 auf der Suche nach dem entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer waren, bekamen sie den Auftrag, der entführten Maschine hinterherzufliegen, um diese zu befreien. Am 18. Oktober war es dann so weit: Die Operation zur Befreiung der Geiseln wurde durchgeführt. Unter dem Einsatz von Techniken wie Visualisierung, Selbstgesprächen und taktischem Atmen bereitete die Truppe sich auf diese entscheidende Aufgabe vor. Trotz des Drucks und der Ungewissheit blieb die Atmosphäre geprägt von Konzentration, Entschlossenheit und einer klaren Ausrichtung auf Höchstleistung. Man schlich sich an, brachte lautlos Leitern an den Flugzeugtüren an, und platzierte an jeder der sechs Türen fünf Beamte. Das Kommando „Feuerzauber“ leitete den Sturm ein, bei dem die Entführer ausgeschaltet und die Geiseln befreit wurden.

Martins packende Schilderungen fesselten die Zuhörer, die – auch noch nach dem Ende der Veranstaltung – eine Vielzahl von Fragen stellten. Er ermutigte sie, sich selbst herauszufordern, niemals aufzugeben und auch unangenehme Entscheidungen zu treffen. Als Held sieht sich Martin nicht. Er gab zu, dass bei der damaligen Befreiungsaktion auch Glück im Spiel war, betonte aber auch die Bedeutung von Mut und Durchhaltevermögen für deren Gelingen. Bezogen auf die heutige Gesellschaft ist Martin der Meinung, dass die Stärkung von Resilienz ein ganz zentraler Baustein für die Zukunft sein müsse.

Text und Fotos: Tobias Raab
 
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