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Open Source Prüfung
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Fit für die Zukunft mit den 21st Century Skills

Schulversuch „Prüfungskultur innovativ“ in der Fachschaft Geschichte, Politik und Gesellschaft

Während der Kurzarbeit mal eben in den Lernunterlagen etwas nachsehen, vom Arbeitsblatt über das Schulbuch und die PowerPoint-Präsentation der Lehrkraft bis hin zu den eigenen Mitschriften aus dem Unterricht liegt alles griffbereit auf dem Tisch. Dazu die Möglichkeit, im Internet zu recherchieren und sogar KI darf genutzt werden! Die Schüler der F13T und F13GS von Frau Gambel und Frau Reichenberger fanden sich in genau dieser Prüfungssituation wieder, als im Rahmen des Schulversuchs „Prüfungskultur innovativ“ das Open Source-Format im Fach GPG erprobt wurde. „Bulimielernen“ war gestern, die Schüler mussten für ihre Kurzarbeit zum Nahostkonflikt nicht Faktenwissen auswendig lernen, sondern ihre Lernunterlagen selbständig organisieren und sinnvoll strukturieren sowie die Inhalte des Unterrichts systematisch vernetzen, um eine komplexe Fragestellung im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern multiperspektivisch erörtern und abschließend beurteilen zu können. Die anschließende anonyme Befragung der beteiligten Schülern gibt dem für Schulen neuen, an Universitäten aber schon weit verbreiteten Prüfungsformat Recht: Die große Mehrheit der Schüler der teilnehmenden Klassen befürwortet diese für sie zunächst noch ungewohnte Form der Leistungserhebung, bereitet sie doch durch die Notwendigkeit neuer Lernstrategien nicht nur auf die Anforderungen des Studiums vor, sondern erlaubt auch weitaus mehr individuelle Lösungswege als klassische Kurzarbeiten.

Auch in den Vorklassen wurden innovative Prüfungsformate erprobt: Statt wie gewohnt eine 30-minütige Kurzarbeit im Lernbereich „Lebenswirklichkeiten im Nationalsozialismus“ zu schreiben, begibt sich die Klasse BOS11 im zweiten Halbjahr im Fach GPG bei Frau Reichenberger auf eine biografische Spurensuche. Im Rahmen des Schulversuchs „Prüfungskultur innovativ“ erarbeiten sie in Zweier- bzw. Dreierteams digitale Workshops für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, denen so, ausgehend vom Leben eines Opfers des Nationalsozialismus, die Lebenswirklichkeit im totalitären Staat in fachlicher und kreativer Weise nahegebracht werden soll. Als Auftaktveranstaltung diente ein eintägiger Theaterworkshop mit dem Theaterpädagogen Harald Hahn, der die Klasse bei der Erstellung szenisch umgesetzter Monologe anleitete und unterstützte. Veranstaltungsort war die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, die während des Projekts auch als Kooperationspartner fungiert. Indem die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Bildungseinrichtung der Klasse Archivmaterial und ihr Expertenwissen zur Verfügung stellen, unterstützen sie die Schülerinnen und Schüler während ihres Erarbeitungsprozesses. Auf diese Weise werden wesentliche Kompetenzen wie Kollaboration, Kommunikation und Kreativität geschult, die die Schülerinnen und Schüler der FOSBOS Weiden auch in Zukunft brauchen werden.

Im gleichen Lernbereich führt auch die F10b eine Projektarbeit durch, die die traditionelle Kurzarbeit ersetzt. Die Schüler der Vorklasse konzipieren und erstellen bei Frau Gambel im Rahmen von zwei Projekttagen in Teams einen digitalen Action Bound zum Thema „Weiden im Nationalsozialismus“. Das Besondere daran: Es wird nicht nur das historische Fachwissen der Schüler und die mediale Gestaltung des Action Bound bewertet, auch die Kollaborationskompetenz innerhalb der Gruppe fließt explizit in die Note ein, ebenso wie die Überarbeitungskompetenz der Schüler, denn der erste Entwurf des Action Bound darf nach einem Feedback durch Mitschüler und Lehrkraft noch einmal weiterentwickelt und verbessert werden. Das notwendige historische Wissen erarbeitet sich die Klasse im Vorfeld der Projekttage mit Hilfe des Stadtarchivs Weiden, wo der Historiker Dr. Sebastian Schott den Schülern mit fachkundigem Rat zur Seite steht.

Ein weiteres innovatives Prüfungsformat wurde im Fach Politik und Gesellschaft in der Klasse F12Wa bei Frau Gambel und den in der Klasse unterrichtenden Studienreferendaren erprobt. Was im klassischen Leistungsnachweis verboten ist und höchstens heimlich im Flüsterton mit dem Banknachbarn geschieht, war hier fester Bestandteil der Kurzarbeit: Zu Beginn der Prüfung durfte – nein, sollte! – während eines kurzen Zeitfensters von drei Minuten in Kleingruppen über die Aufgabenstellungen gesprochen, mögliche Deutungen der Karikatur diskutiert und verschiedene Antwortmöglichkeiten mit den Mitschülern angedacht werden. Ziel des sog. „Test-Talk“ ist es, durch die Austauschphase zu Beginn der Kurzarbeit mögliche Prüfungsängste der Schüler zu reduzieren und auch in Prüfungssituationen das widerzuspiegeln, was sowohl in Unterricht als auch einer auf Teamarbeit setzenden Arbeitswelt gang und gäbe ist: Die Zusammenarbeit mit Mitschülern und Kollegen. Bei den Schülern der F12Wa kam das neue Format gut an, sie stellten noch einen weiteren positiven Effekt auf das eigene Lernverhalten fest – weil im Test-Talk jeder auch vom Wissen des anderen profitieren kann, wollte niemand die Mitschüler hängen lassen und möglichst viel in der Austauschphase beitragen, sodass die eigene Vorbereitung auf die Kurzarbeit in vielen Fällen gründlicher erfolgte als bei klassischen Prüfungen, in denen jeder nur für sich alleine kämpft.

Text und Fotos: Marleen Gambel, Michaela Reichenberger
 
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