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Drohnen in Wald und Flur

Rehkitzrettung mit Verstand, Herz und Feingefühl

Wie viel zusammenkommen muss, damit es gelingt, etwas in der eigenen Herzensangelegenheit zur erreichen, das wurde ca. 200 Schülerinnen und Schülern der FOSBOS am Beispiel des Vereins Rehkitzrettung e.V.  überdeutlich vor Augen geführt.

Die Rettung des Rehkitzes selbst sieht dabei nur auf den ersten Blick sehr einfach, fast schon idyllisch „retro“ aus. In einem Korb wird das Rehkitz aus dem Feld getragen und bis zum Ende des Mähens vor einem grausamen Tod durch Landmaschinen bewahrt. Dass für die Rettung von über 2000 Tieren pro Jahr aber weit mehr gebraucht wird als ein Korb, ein paar Handschuhe und ein klein wenig Muskelkraft, das zeigen die ehrenamtlich Aktiven unterstützt vom Institut für Nachhaltigkeit und Ethik der FH Weiden eindrücklich:

Ein Verein muss gegründet, Positionen besetzt, Geld für die Drohnen eingeworben, der Kontakt zu den Landwirten gesucht, Ehrenamtliche zum Einsatz um 5.00 Uhr morgens motiviert, Öffentlichkeitsarbeit und eine Homepage betrieben werden und vieles mehr.

Noch wichtiger ist allerdings, dass Rehkitzrettung in großem Umfang nur gelingen kann, wenn unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Professionen gemeinsam an einem Strang ziehen, und das sind oft Leute, die sich dem Thema aus völlig anderen Motiven und mit anderen Blickwinkeln nähern. Vegetarische Tierliebhaber neben passionierten Jägern, Drohnentechnik-Begeisterte neben Tierärzten, denen es ganz konkret-fellig um Tierwohl geht, Landwirte neben Menschen mit Herz für Bürokratie, Tierethiker neben Sonnenaufgang-Begeisterten.

Vermittelt wurde den Schüler in dieser Veranstaltung der Fachschaft Ethik also eine Form des Engagements, von der es in der heutigen Zeit mehr brauchen würde.

Dabei bediente auch der Ablauf der Veranstaltung alle denkbaren Bereiche. Es begann mit einem Vortrag von Georg Klampfl (OTH, Institut für Ethik und Nachhaltigkeit) zu den theoretischen Grundlagen verschiedener Tierethiken, der deutlich machte, dass ethische Verantwortung nie nur aus einer Theorie oder einem Blickwinkel verstanden werden kann, sondern vielschichtig ist. Weiter ging‘s mit konkreten Beispielen für tierethische Debatte, die in dieser Breite vom Wild- über das Nutztier bis hin zum Hamster zu Hause wohl nur eine Tierärztin wie Dr. Constanze Erl-Höning in dieser Prägnanz geben kann. Stehen und fallen wird so ein Projekt aber mit seinen Aktiven, den Ehrenamtlichen, die ihre frühmorgendliche Freizeit lieber auf der Wiese als im gemütlichen Bett verbringen. Wie so ein Einsatz konkret abläuft und was bisher im und durch den Verein erreicht wurde, schilderte Gründungsmitglied Claudia Prößl sehr anschaulich mit Bild-, Film- und Zahlenmaterial. Das größte Engagement mit dem Herzen kann aber nur dann zu Ergebnissen führen, wenn jemand dafür sorgt, dass alles auch technisch umsetzbar ist. Das ist bei der Rehkitzrettung alles andere als banal. Nur mit Drohnen, die mit Wärmebild-Technik ausgestattet sind, können die kleinen Rehe zuverlässig entdeckt werden und dafür braucht es Menschen mit Ausbildung und der Bereitschaft, die technische Verantwortung zu schultern – wie Roland Ried, der Drohnenpilot bei der Rehkitzrettung ist. Wie eine Drohnensuche dann aussehen könnte, konnten die Schülerinnen und Schüler dann auch live erleben. Surrend in der Aula und draußen auf der Suche nach einer Wärmflasche in der Wiese.

 

Text und Fotos: Verena Bauer

 

 

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