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Eine packende und inspirierende Geschichtsstunde

GSG9-Mann Aribert Martin und die Befreiung der „Landshut“ 1977

Angst, Trauer, Wut und Ekel – das sind laut Aribert Martin vier Herausforderungen, die jeder in seinem Leben überwinden muss. Letzteres, Ekel, verspürte er im Oktober 1977 in den Minuten unmittelbar vor der Befreiung der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ in einem extremen Ausmaß. Mit anderen Beamten der Eliteeinheit GSG9 hatte Martin den Auftrag, die Besatzung und 86 Passagiere, die sich im somalischen Mogadischu in der Hand von vier palästinensischen Terroristen befanden, zu befreien. Die Geiseln durften nicht auf die Toilette gehen und mussten ihre Notdurft in ihren Sitzen verrichten. Die Beamten konnten den Ekel, hervorgerufen durch den fürchterlichen Gestank, bereits beim Anschleichen aus zwei Kilometern Entfernung wahrnehmen; kurz vor dem gewaltsamen Öffnen der Flugzeugtüren und der Stürmung der Maschine wurde er dann fast unerträglich. Martin und seine Kollegen konnten ihn überwinden und die Entführer ausschalten. Alle Passagiere wurden befreit.

Im Dialog mit Pierre Kröseler von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit teilte der Referent seine Erfahrungen als Teil der GSG9 während des „Deutschen Herbstes“, der Hochphase des Linksterrorismus in der BRD im Jahr 1977. Über 150 begeisterte Schülerinnen und Schüler erhielten so Einblicke in ein Schlüsselereignis der deutschen Geschichte aus erster Hand.

Nach einem kurzen Überblick Kröselers über die historischen Hintergründe – von der Gründung der RAF bis zu dem Versuch, deren inhaftierte Führungsfiguren freizupressen – gab Aribert Martin Einblicke in die Befreiungsaktion, die mit dem Kommando „Feuerzauber“ begann. Dabei ging er nicht nur auf die Vorbereitung mithilfe von Techniken wie Visualisierung, taktischem Atmen und Selbstgesprächen ein, sondern schilderte auch, wie er den physisch und psychisch fordernden Einsatz selbst erlebte, und wurde dabei an mehreren Stellen emotional. Die Zuhörer erfuhren auch vieles über die GSG9, etwa, dass charakterliche Eignung die wichtigste Voraussetzung für die Beamten ist.

Die Veranstaltung ging weit über eine reine Geschichtsstunde hinaus. Martin sprach die Lernenden immer wieder direkt an und betonte die Bedeutung von Mut, Durchhaltevermögen und Kameradschaft. Das Zulassen von Emotionen und Trauer, das Erleben von Misserfolgen und deren Überwindung gehören für ihn dazu. Aribert Martin ermutigte die Schülerinnen und Schüler, niemals aufzugeben, sich selbst herauszufordern und auch unangenehme Entscheidungen zu treffen.

Der von Tobias Raab organisierte Vortrag war durchgehend packend und fesselte die Zuhörer, die Martins Worte höchst aufmerksam verfolgten. Das große Interesse zeigte sich auch in der Vielzahl von Fragen im Anschluss sowie noch lange nach dem Ende der Veranstaltung.

Text und Fotos: Tobias Raab

 

 

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