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100 Kinder Für Eine Medaille

100 Kinder für eine Medaille

Thomas Lukow spricht über Doping in der ehemaligen DDR

Ihre Goldmedaille gewann Heidi Krieger als junge Frau. Heute trägt sie einen Bart und heißt Andreas. Mit welchen Spätfolgen gedopte DDR-Leistungssportler zu kämpfen haben, erläuterte Thomas Lukow 120 Schülern der FOSBOS.

„Diplomaten in Trainingsanzügen“ – so nannte man jene Sportler, die international die Deutsche Demokratische Republik vertraten. Ihre Aufgabe: Durch sportliche Leistungen für den Sozialismus zu werben. „Die Städte ließ man verrotten, aber in den Leistungssport wurden Millionen investiert“, erklärte der Zeitzeuge Lukow. Um aus talentierten Kindern Spitzensportler zu machen, gab es ein ausgefeiltes Auslese- und Kadersystem. „Wer in diesem abartigen System nicht funktionierte, hatte keine Chance“, sagte der Referent. Sein Bruder sei hierfür ein gutes Beispiel. „Da er mit 16 Jahren nicht mehr gewachsen ist, flog er als Ruderer aus dem Kader raus. Keine Sau hat sich dann um ihn gekümmert.“

Doch das mit Abstand finsterste Kapitel der DDR-Sportgeschichte sei das Zwangsdopingsystem gewesen, von dem laut Lukow 12000 Sportler betroffen waren. „Auch Kinder und Jugendliche wurden gedopt – und zwar ohne, dass sie es wussten“, berichtete der ehemalige Ost-Berliner. Viele der damals noch Minderjährigen leiden heute unter den Folgen des staatlich verordneten Dopings: Hierzu gehören Hormon- und Stoffwechselschäden, Störungen der Fruchtbarkeit, Leber- und Herzschäden, Gelenkschmerzen und Depressionen.

Ein prominentes weibliches Doping-Opfer heißt heute Andreas Krieger. Er war zu DDR-Zeiten die Kugelstoßerin Heidi Krieger, die im Jugendalter mit Testosteron vollgepumpt wurde. Die Folge: „Eine Vermännlichung in allen Bereichen“, so der Referent. Ende der 1990er Jahre entschloss sie sich zu einer geschlechtsangleichenden Operation.

„Für eine Medaille wurden 100 Kinder verschlissen“, mit diesem Zitat beendete Lukow seinen zweistündigen Vortrag, den Geschichtslehrer Stefan Hanf in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung organisierte.

Dieser Artikel ist hier auf onetz.de abrufbar.

Text und Foto: Silke Winkler
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